Der Jemaa el-Fna ist einer der faszinierendsten Orte Marokkos – aber auch einer der von Touristen meistbesuchten, was seine kleinen Betrugsmaschen anzieht. Keine Sorge: nichts davon ist gefährlich. Fast immer geht es um aufdringliche Aufforderungen, die es auf deinen Geldbeutel abgesehen haben, nicht auf deine Sicherheit. Wenn du sie im Voraus kennst, entschärfst du sie in Sekunden und genießt den Platz mit leichtem Herzen.
Hier sind die zehn häufigsten Fallen, geordnet von der häufigsten zur seltensten, jeweils mit einem einfachen und wirksamen Gegenmittel.

1. Die überraschende Foto-Gebühr (Tiere und Wasserverkäufer)
Das ist die Betrugsmasche Nummer eins. Ein Dresseur setzt dir einen Affen auf die Schulter, ein Beschwörer legt dir eine Schlange um den Hals, oder ein Wasserverkäufer (der berühmte Guerrab im roten Kostüm) posiert direkt vor dir. Du machst das Foto – oder man macht es für dich – und sofort werden 100 bis 300 Dirham verlangt.
Das Gegenmittel: Lass niemals ein Tier auf dich setzen, ohne dich vorher abgesprochen zu haben. Wenn du das Foto willst, lege den Preis vorher fest (10 bis 30 MAD sind angemessen). Andernfalls genügt ein bestimmtes und freundliches „Nein, danke” – und fotografiere aus der Ferne.
2. Das aufgedrängte Henna
Eine Tätowiererin (neqqacha) greift nach deiner Hand und beginnt ein Muster – „Geschenk, gratis!” – noch bevor du antworten kannst. Ist das Henna erst aufgetragen, verlangt sie 200 bis 500 Dirham und wird lauter, um dich vor der Menge in Verlegenheit zu bringen.
Das Gegenmittel: Halte deine Hände nah bei dir, streck niemals den Arm aus und geh mit einem klaren „Nein, danke” weiter. Wenn du echtes Henna möchtest, verhandle Preis und Muster im Voraus und bestehe auf natürlichem Henna (bräunlich-orange): Das „schwarze Henna” enthält oft Paraphenylendiamin (PPD), ein Allergen, das schwere Hautreaktionen auslösen kann.
3. Der falsche Guide „Der Platz ist geschlossen”
Ein sehr freundlicher Unbekannter spricht dich an: „Diese Straße ist gesperrt”, „der Platz ist auf der anderen Seite” oder „es gibt ein Berberfest, ich zeige es dir”. Er begleitet dich … bis zu einem Geschäft, einer Gerberei oder einem Basar, wo er eine Provision kassiert – und verlangt dann ein Trinkgeld für seine Dienste.
Das Gegenmittel: Folge niemals einem spontanen „Guide”. Der Platz und die Souks lassen sich hervorragend allein erkunden. Für einen echten Guide wende dich an dein Riad oder wähle einen offiziellen Guide mit Ausweis.
4. Die aufgeblähte Rechnung an den Essensständen
An den abendlichen Garküchen nennen manche Anwerber unklare Preise, fügen „gratis” angebotene Gerichte hinzu (Brot, Oliven, Saucen) und berechnen sie dann, oder blähen die Endsumme auf.
Das Gegenmittel: Wähle einen Stand, der von Marokkanern stark frequentiert ist (ein Zeichen für Qualität und faire Preise), frage vor dem Bestellen nach dem Preis jedes Gerichts, lehne höflich ab, was du nicht bestellt hast, und überprüfe die Rechnung.
5. Das „Geschenk”, das keines ist
Ein Verkäufer drückt dir einen Schlüsselanhänger, ein Armband oder eine kleine Kleinigkeit in die Hand – „als Geschenk, willkommen in Marokko!”. Sobald du es annimmst, verlangt er Geld und weigert sich, es zurückzunehmen.
Das Gegenmittel: Nimm nichts aus der Hand eines Verkäufers. Ist es schon geschehen, gib den Gegenstand bestimmt zurück und entferne dich.
6. Das „falsche” Wechselgeld
In der Hektik eines Stands oder Taxis bekommst du Wechselgeld auf einen kleineren Schein herausgegeben als den, den du gegeben hast, oder es fehlen ein paar Dirham.
Das Gegenmittel: Sag laut den Betrag des Scheins an, den du hinhältst („ich gebe Ihnen 200”), und zähle dein Wechselgeld, bevor du gehst. Behalte Kleingeld bei dir, um große Scheine zu vermeiden.
7. Das Taxi ohne Taxameter
Die Kleintaxis (in Marrakesch beige) „vergessen” das Taxameter und nennen am Ende der Fahrt einen aufgeblähten Preis, besonders nachts oder vom Flughafen aus.
Das Gegenmittel: Bestehe auf dem Taxameter („Taxameter, bitte”) oder verhandle den Preis vor dem Einsteigen. Eine Fahrt in der Stadt kostet in der Regel einige Dutzend Dirham; erkundige dich bei deinem Riad nach den üblichen Tarifen.
8. Der Musiker oder Künstler, der dir seine Darbietung „schenkt”
Ein Musiker spielt ein paar Töne, während er dich ansieht, oder drückt dir ein Instrument für ein Foto in die Hände und verlangt dann eine hohe Vergütung.
Das Gegenmittel: Eine Straßendarbietung zu genießen verdient ein kleines Trinkgeld (2 bis 10 MAD), das ist normal und legitim. Aber gib was du für angemessen hältst, nicht die unter Druck geforderte Summe. Halte Kleingeld in einer leicht zugänglichen Tasche bereit.
9. Taschendiebe in der Menge
Nachts begünstigt das Gedränge rund um die Halqa (die Zuschauerkreise) Taschendiebstähle.
Das Gegenmittel: Trage deine Tasche geschlossen vor dir, bewahre Handy und Geld in einer Vordertasche auf und zieh in der Öffentlichkeit keine großen Geldbündel hervor.
10. Der „vorteilhafte Umtausch” oder Falschgeld
Man bietet dir an, Euro zu einem „Freundschaftskurs” zu tauschen, oder gibt dir einen falschen Schein im Wechselgeld.
Das Gegenmittel: Wechsle dein Geld in einer offiziellen Wechselstube oder heb am Geldautomaten ab. Lerne, die Dirham-Scheine zu erkennen (20, 50, 100, 200 MAD).

Zusammenfassung: der Anti-Betrugs-Reflex in 3 Regeln
2. Vereinbare den Preis im Voraus. Lege für jede Leistung den Betrag vorher fest – das entschärft 90 % aller Streitigkeiten.
3. Ein freundliches „Nein, danke", ohne stehen zu bleiben, bleibt deine beste Waffe. Die meisten Aufforderungen hören sofort auf.
Behalte im Kopf, dass die überwältigende Mehrheit der Marrakschis herzlich und ehrlich ist und dass diese Praktiken das Werk einer Minderheit sind, die sich auf die stark touristischen Zonen konzentriert. Mit diesen Reflexen wird der Jemaa el-Fna wieder das, was er wirklich ist: eines der außergewöhnlichsten lebendigen Spektakel der Welt.
Um den Rest deines Besuchs entspannt vorzubereiten, sieh dir unsere Seite Tipps und Sicherheit sowie die praktischen Informationen an (Öffnungszeiten, Anfahrt, Richtpreise).